Einleitung
Wilgersdorf blickt auf eine mehr als 650 Jahre lange Geschichte zurück. Das Dorf im Siegerland erlebte Brandjahre, Kriegszeiten und wirtschaftlichen Wandel — und ist heute ein lebendiges Gemeinwesen mit starkem Zusammenhalt.
Erste urkundliche Erwähnung: 1377 — Wilgersdorf liegt im Siegerland und gehört zur Gemeinde Wilnsdorf im Kreis Siegen-Wittgenstein.
Chronik — Ausgewählte Daten
Der Dorfbrand von 1857
Am 31. August 1857 brach gegen 14 Uhr in Wilgersdorf ein verheerendes Feuer aus. Durch einen starken Westwind verbreitete sich der Brand rasend schnell. Binnen Stunden wurden 26 Häuser, die Kapelle und das Schulhaus vernichtet. Zwei Tage später, am 2. September, brannten zwei weitere Häuser nieder.
Der Gesamtschaden wurde auf 30.000 Taler geschätzt. Auf Aufruf des damaligen Landrats von Dörnberg gingen zahlreiche Naturalien und Geldspenden ein, die den Wiederaufbau ermöglichten. Noch heute zeugen einzelne Brandmale in alten Balken von der Katastrophe. Der Artikel ist einem Text entnommen, der 1957 zum 100. Jahrestag des Dorfbrandes von H. Ulrich Berg verfasst wurde.
Straßenbenennung von 1956
Bis 1956 waren die Wege und Straßen Wilgersdorfs noch nicht benannt — jeder Einwohner kannte den Wohnort jeden anderen Mitbürgers persönlich. Doch Wilgersdorf wuchs: Von 151 Gebäuden im Jahr 1910 auf 292 im Jahr 1956, die Einwohnerzahl stieg von 998 auf 1.656. Am 25. Mai 1956 beschloss die Gemeindevertretung, die Straßen nach alten Flurbezeichnungen zu benennen — darunter Bergknappenstraße, Brunnenstraße, Friedhofstraße, In der Gasse und Weißbachstraße.
Das Ehrenmal
Das Ehrenmal wurde nach dem 2. Weltkrieg oberhalb des Friedhofs angelegt, auf Anregung des damaligen Vorsitzenden des SGV, Gustav Berg. Er siedelte in den Nachkriegsjahren alle Baum- und Straucharten aus der Wilgersdorfer Gemarkung an — darunter auch Apfel-, Birn- und Kirschbäume. Der SGV führte diese Arbeiten bis ins Jahr 2000 fort; seitdem pflegt der Bürgerverein die Anlage.
Am Ehrenmal wird jedes Jahr am Volkstrauertag ein Kranz niedergelegt, bevor der Gedenkgottesdienst wechselnd in der evangelischen und katholischen Kirche stattfindet. Die Schrifttafeln wurden überarbeitet, die äußere Friedhofshecke nach fachkundiger Beratung stark zurückgeschnitten, damit sie sich im Bodenbereich wieder verjüngt.
Wilgersdorfer Bäche (Zuflüsse zur Weiß)
Folgende Bäche entspringen im Wilgersdorfer Gemeindegebiet und münden in die Weiß: Bleielsbach, Breitenbach, Eichborn, Erbach, Goldschmiedsborn, Immelsbach, Langenbach, Richelbach (vom Badeweiher), Schönebach, Wahlbach sowie der Reitelbach (vom Silbersee, mündet in den Wahlbach).
Der Dorfbrunnen
Zur „Brunnenstraße" gehört sinnfälligerweise ein Dorfbrunnen. Nach längeren Überlegungen und Planungen wurde am Beginn der Brunnenstraße ein Brunnen aus Sauerländer Porphyrgestein errichtet. Die Wilgersdorfer Vereine haben ihn 1994 eingeweiht — und die Nachbarn halfen sogleich bei der Pflege der Grünanlagen. Heute pflegt der Bürgerverein das Areal um den Brunnen.
Das Wacholdergebiet „Alte Braas"
Seit ca. 200 Jahren bestehen die Wacholder-Bestände im Gebiet „Alte Braas". Als schnell wachsende Pionierpflanzen dem Wacholder das Licht nahmen, ergriffen die Wilgersdorfer Jagdhornbläser die Initiative: In Abstimmung mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein und der Gemeinde Wilnsdorf investierten sie rund 360 Arbeitsstunden mit Motorsensen, Schredder und Sägen. Heidschnucken, Schafe und Ziegen übernehmen seitdem die Rolle des früheren Viehtriebs.
Flächennutzung
Der Flächennutzungsplan der Gemeinde Wilnsdorf sieht für Wilgersdorf eine Gesamtfläche von 1.154,0 ha vor: 62,0 ha Wohnbaufläche, 15,7 ha Mischbaufläche, 0,6 ha Gewerbliche Baufläche, 1,8 ha Gemeinbedarfsfläche, 2,7 ha Sonderbaufläche (CVJM), 15,8 ha öffentliche Grünflächen sowie ca. 1.055,0 ha Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Verkehr.
Bevölkerungsentwicklung
Von 998 Einwohnern im Jahr 1910 wuchs Wilgersdorf auf rund 2.998 Einwohner im Jahr 2005. Die Zahl der Haushaltungen stieg im gleichen Zeitraum von 206 auf 409.